250. Todesjahr von Dr. Johann Christian Senckenberg

Die Stadt Frankfurt am Main hat dem Stifter und Visionär viel zu verdanken. Unter anderem hat er den Botanischen Garten Frankfurt gegründet, der bis 1914 von der Dr. Senckenbergischen Stiftung und danach bis 2012 von der Universität Frankfurt betrieben wurde. Schließlich wurde der Garten von der Stadt Frankfurt am Main übernommen und ist heute dem Palmengarten angegliedert. 

Anlässlich des 250. Todesjahres von Joh. Chr. Senckenberg hat die Dr. Senckenbergische Stiftung ein interessantes Führungsprogramm erarbeitet, an dem sich auch der Botanische Garten beteiligt. Das Programm des Botanischen Gartens findet sich auf dieser Seite, das Führungsprogramm der Stiftung erreichen Sie über den nachfolgenden Link. 

Link zur Dr. Senckenbergischen Stiftung

Wetterdaten Juli 2022
Fällung der großen Buche 2022

Fällung unserer großen Buche am Teich-Unterstand

Sehr schweren Herzens mussten wir uns im Februar 2022 von unserer großen Buche am Teich verabschieden. Sie war bereits seit rund 10 Jahren unser im wahrsten Sinne des Wortes größter Patient: Geschwächt durch den Pilz Riesenporling (Meripilus giganteus), der das Wurzelsystem des Baumes angreift, und zusätzlich durch die letzten sehr heißen und trockenen Sommer stark in Mitleidenschaft gezogen, mussten wir akzeptieren, dass eine Rettung nicht mehr möglich war. Da durch den Pilz die Standfestigkeit des sehr großen und schweren Baumes nicht mehr gegeben war, blieb uns aus Sicherheitsgründen keine andere Wahl, als ihn fällen zu lassen. Dies war allerdings auch keine Routine-Maßnahme. Durch das hohe Gewicht und die mächtige, breite Krone musste der Baum mit Hilfe eines Autokranes in Einzelteile zerlegt werden. Aber wie das so ist: Einer geht, der nächste kommt! Schon vor einiger Zeit wurden vorausschauend in direkter Nachbarschaft drei kleine Buchen gepflanzt, von denen eine den Platz des gefällten Baumes einnehmen wird. Liebe Besucher*innen, schauen sie einfach wieder in 80 Jahren in unserem Garten vorbei, Sie werden dann keinen Unterschied feststellen! 

Übrigens: Anlässlich dieses traurigen Umstandes hat unser Gärtner-Poet wieder zur Feder gegriffen!

Gedicht Buche
Teichräumung 2021

Ab Ende Oktober haben die Gärtner*innen frei?
Nein! Dann geht es bei uns im Botanischen Garten erst richtig los!
Unsere Winterbaustellen 2021/ 2022 im Überblick

Im November 2021 haben wir zunächst den Teich teilweise entschlammt und geräumt. Dies ist wichtig, damit der Teich nicht langsam verlandet und im Frühling nicht zu viele Nährstoffe im Wasser vorhanden sind, sonst ist ein übermäßiges Algenwachstum vorprogrammiert. Damit die Tiere und Pflanzen im Teich nicht zu sehr gestört werden, wird der Teich nicht komplett geräumt, sondern abschnittsweise im dreijährigen Turnus entkrautet und entschlammt. Seltene Pflanzen bleiben natürlich drin, nur starke Wucherer werden reduziert. 

Baustelle sonniger Kalkhang

Teilweise Neugestaltung des sonnigen Kalkhanges

Die unteren Bereiche des sonnigen Kalkhanges waren schon länger unser Sorgenkind: Mittlerweile zu nährstoffreich geworden und dadurch umso attraktiver für stark wachsende Wildkräuter, die unseren Raritäten zusehends den Platz streitig machten. Wir haben mehrere Tonnen Kalkfelsen und Kalkschotter neu verbaut, eine Drainage wurde neu verlegt, um überschüssiges Wasser in Richtung Teich zu befördern und unsere Zauneidechsen verfügen nun über einen neuen Wohn- und Sonnenhügel der Luxusklasse. Nun haben auch endlich Adonisröschen und Co. wieder mehr Luft zum Gedeihen.

Eidechsenburg
Eidechsenburg
Zauneidechse im Botanischen Garten
© Bernd Jakobus
Zauneidechse im Botanischen Garten
Baustelle Kübelpflanzenquartier

Erweiterung des Kübelpflanzenquartiers und Umgestaltung der Stauden- und Rosenbeete

Um unsere Kübelpflanzensammlung im Sommerhalbjahr attraktiv und mit ausreichend Platz präsentieren zu können, wurden mehrere Beete neu hergerichtet. So haben die Pflanzen mehr Luft und Licht und stehen nicht mehr so dicht gedrängt. Die stark überalterte Zierrosensammlung wurde aufgelöst, wir widmen uns zukünftig nur noch den Wildrosen (und ganz nebenbei: Im Palmengarten gibt es wirklich einen sehr attraktiven Rosengarten!), erweitern aber dafür unsere Staudenrabatte.

Baustelle Wasserpflanzenbecken

Neue Wasserpflanzenbecken und mehr Platz für seltene Erhaltungskulturen

Da der Botanische Garten Frankfurt über eine beachtliche Wasserpflanzensammlung verfügt, wurde beschlossen, diese den Besucher*innen künftig noch besser zugänglich zu machen. Dazu wurden 20 neue Betonbecken als Maßanfertigungen angeschafft, die freundlicherweise von unserem Freundeskreis gestiftet wurden. Ganz nebenbei konnten noch vier weitere Beete für unsere Erhaltungskulturen angelegt werden, die ab Frühling 2022 sukzessive in Kultur genommen werden. Die Brombeersammlung ist nun an einen schattigeren Ort hinter dem Arzneipflanzengarten umgezogen, der neue Standort sollte den Pflanzen aber insgesamt wesentlich besser zusagen.

Kalkflachmoor

Neu und einmalig: Ein Kalkflachmoor für seltene Pflanzen

Der Mann und das Moor -

Wie Ralf Kremser im Botanischen Garten drei Sumpfgebiete anlegte 

Das Moor, sagt Ralf Kremser, habe ihn schon immer fasziniert. Als Kind sei er zweimal im Moor versunken. „Mutproben“, meint er und zuckt mit den Schultern. Was man halt so macht, wenn man mit seinen Freunden draußen unterwegs ist. „Es ist ja gut ausgegangen.“ Seine Freunde haben ihn wieder herausgefischt. Und doch hat ihn das Moor nicht mehr losgelassen: Kremser, seit neun Jahren Gärtner im Botanischen Garten, hat sich intensiv mit diesem Lebensraum, der nicht Wasser und auch nicht Land, sondern irgendetwas dazwischen ist, beschäftigt. Und im Botanischen Garten mittlerweile sein drittes Moor angelegt: ein Kalkflachmoor. 

Drei mal elf Meter ist es groß, mit drei Quellen, aus denen das Wasser austritt, und vielen Pflanzen, die ausschließlich an nährstoffarmen Extremstandorten wachsen, etwa Orchideen, Mehl-Primel und die überaus seltene Purpur-Nelke Armeria purpurea, die in der Natur nur an einem Standort am Bodensee vorkommt. Kremsers Chef Thomas Moos, Technischer Leiter des Botanischen Gartens, nennt es eine Weltpremiere: „Ein Kalkflachmoor in dieser Größe gibt es unseres Wissens in keinem anderen Botanischen Garten.“ 

Bereits 2015 hatte Kremser im Botanischen Garten ein Hochmoor angelegt. Weil aber ein Kalkflachmoor, auch Quellmoor genannt, vollkommen anders aufgebaut ist, musste er sich für dieses Vorhaben auf Recherche begeben. Er las Fachliteratur, sprach mit Experten wie Wolfram Kircher von der Hochschule Anhalt, unternahm Streifzüge durch die Natur, unter anderem gemeinsam mit Burkhard Quinger, der ihm die versteckten Kalkflachmoore am Ammersee zeigte. „Ich wollte die Atmosphäre dieser Landschaft spüren, bei allen Wetterlagen“, erzählt Kremser. Er nahm Kontakt auf zu Erich Meier aus Münster, Kenner bezeichnen ihn als Moor-Papst. „Junge, komm sofort vorbei, ich bin über 80“, sagte Meier zu Kremser. Also fuhr Kremser nach Münster.

Quellmoore entstehen, wenn aus dem Untergrund Wasser austritt. Ist diese Quellausschüttung ergiebig, dauerhaft und gleichmäßig und der Boden somit permanent mit Wasser gesättigt, kann sich Torf und also ein Quellmoor entwickeln. Sumpfgebiete wie diese sind für Pflanzen Extremstandorte, nur wenige Arten sind in der Lage, sich hier anzusiedeln. 

Das Kalkflachmoor im Botanischen Garten entstand, nachdem die Recherche abgeschlossen war,  innerhalb mehrerer Monate und in diversen Schritten: Baustelle absichern, Vorgänger-Anlage abräumen, Erdarbeiten, Anschluss an den Kanal, Anschluss an die Wasserversorgung, Teichfolie einbauen, Abflusszone herstellen,  mit Teichplatten eine Topografie formen, Substrat einbringen und dann immer wieder testen, ob Ab-, Zu- und Durchfluss funktionieren, der Quellaustritt die richtige Größe hat und so weiter und so fort. 

Unterdessen sah man Kremser immer mal wieder am Rand der Anlage sitzen und vor sich hin sinnieren. „Ich meditiere gerade“, sagte er dann und brütete über die Topografie, den Wasserlauf, die Bepflanzung. Die größte Herausforderung sei der Ablauf des Wassers gewesen. „Wie verhält es sich, wo bilden sich Pfützen im Substrat? Wie schaffe ich es, dass es nicht über den Rand der Anlage läuft? Ich habe viel getüftelt“, sagt Kremser.

Und dann stand er plötzlich mit seinen Kollegen an der neuen Anlage, blickte auf den mit Pfützen und austretendem Wasser durchzogenen, von seltenen Sumpfpflanzen bewachsenen Dolomit-Split und dachte: „Öh – jetzt ist es fertig.“ Und dann war er ein bisschen stolz. Weil, wie sein Chef schon sagte: Ein solch großes Kalkflachmoor in einem Botanischen Garten ist bislang einzigartig.

Text: Anja Prechel, Palmengarten


Hochmoor, Flachmoor, Sumpf??

Ein Sumpf ist ein terrestrischer Lebensraum mit schlammigen, zeitweise bis andauernd stark vernässten Böden, in denen jedoch der Humus abgebaut und kein Torf gebildet wird. Sümpfe bilden sich an Ufern, bei hohem Grundwasserstand oder durch Überflutungen.

Hochmoore entwickeln sich oft (aber nicht immer) aus verlandenden, stehenden, nährstoffarmen Gewässern und folgen zumeist auf die Niedermoorbildung. Diese Moore sind immer regenwassergespeist und dadurch sehr nährstoffarm. Sie werden maßgeblich durch Torfmoose gebildet, die dem Wasser die wenigen vorhandenen Nährstoffe entziehen können uns ihrerseits organische Säuren abgeben. Die starke Versauerung in Kombination mit einer hohen Nährstoffarmut und Sauerstoffarmut durch stehendes Wasser bewirkt, dass organische Substanz nicht durch Mikroorganismen abgebaut werden kann, sondern sich in mächtigen Schichten als Torf ablagert. Das Moor wächst jedes Jahr um wenige Millimeter in die Höhe.

Ein Kalkflachmoor entsteht als seltener Sonderfall durch Quellaustritte oder an Ufern auf kalkhaltigen Böden. Im Gegensatz zum Hochmoor wird dieses Moor nicht durch Torfmoose besiedelt (diese vertragen keinen Kalk), sondern zumeist durch Binsen und Seggen. Es bildet sich kein echtes Hochmoor, dennoch erfolgt kein Abbau der organischen Substanz, sondern es kommt zur Torfbildung

Nähere Informationen z.B. in: 

Amelung, W. & Blume, H.P. et al. (2018): Scheffer/ Schachtschabel -  Lehrbuch der Bodenkunde. Springer- Verlag.

Wikipedia- Eintrag "Moor".

Text: Thomas Moos, Botanischer Garten Frankfurt