Der Teich im Garten.

Die Geschichte des Botanischen Gartens

Erster Garten - Am Eschenheimer Turm 1767 - 1907

Der Frankfurter Botanische Garten blickt auf eine lange Geschichte zurück (s. Chronologie im Überblick), die im folgenden in Anlehnung an MÖBIUS 1903 et 1937 und EGLE & ROSENSTOCK 1966 resümiert wird. Sie fand im Jahre 1763 mit der Stiftung SENCKENBERGs ihren Anfang. Der Stifter beabsichtigte damit, in erster Linie die medizinische Wissenschaft zu unterstützen.

Das ca. ein Hektar große Gelände lag zwischen der heutigen Stift- und Bleichstraße am Eschenheimer Turm. SENCKENBERG selbst plante den ersten Botanischen Garten nach dem Vorbild des LINNÉschen Gartens in Uppsala. Zur endgültigen Fertigstellung gelangte der Garten wahrscheinlich 1774, also lange nach dem Tode des Stifters. Seine Hauptaufgabe bestand darin, der Medizin als “hortus medicus” zur Verfügung zu stehen. Deshalb hatten in den ersten hundert Jahren Stiftsärzte die Leitung inne. Hinzu kam jeweils ein ausgebildeter Gärtner, der sich um die praktischen Belange kümmerte. Im Jahre 1867 bekam erstmals ein Botaniker die Verantwortung übertragen.

Die Heilpflanzen waren nach dem Linnéschen System geordnet. Im Laufe der Zeit wurde die Zahl der vorhandenen Pflanzen stetig erhöht, sodass im Jahre 1903 mehr als 4000 Arten vorhanden waren. Im Laufe der Zeit musste der Botanische Garten immer wieder Einbußen an Gelände durch die Errichtung verschiedener Gebäude und den Ausbau des Bürgerhospitals hinnehmen. Schließlich besaß er nur noch eine Größe von 7000 m². Wegen des dadurch bedingten Platzmangels und vor allem auch aus Gründen der erhöhten Luftverschmutzung im Stadtgebiet, welche die Pflege der Pflanzen mehr und mehr erschwerte, wurde eine Verlegung des Botanischen Gartens gegen Ende des 19. Jahrhunderts immer dringlicher.

Überblick - Am Eschenheimer Turm (1767 - 1907)

1763

  • Stiftung durch J. C. Senckenberg
  • Anlagen: Medizinal- und Heilpflanzen und lokale Flora
  • Aufgaben: Ort der Lehre zur Ausbildung von Medizinern und Bereitstellung von Medizinal- und Heilpflanzen

1774

  • Fertigstellung
  • Größe: 1 ha

1800 – 1900

  • ständiger Flächenverlust durch Baumaßnahmen
  • Größe: 0,7 ha

Gewächshaus
Die Abbildung zeigt das erste Gewächshaus von J. H. Bäumerth, fertiggestellt 1768.

Zweiter Garten am Palmengarten (1907-1958)

Nach langen Verhandlungen zwischen der Stadt Frankfurt und der Dr. Senckenbergischen Stiftung wurde schließlich der Weg für einen Umzug frei. Ein Gelände am östlichen Rand des Palmengartens wurde dafür zur Verfügung gestellt. Dieser zweite Garten war mit 1,4 Hektar doppelt so groß wie sein Vorgänger in der letzten Phase. In den Jahren 1907/08 vollzog sich dann der Umzug der Freilandpflanzen, der von dem Frankfurter Botaniker und damaligen Direktor des Botanischen Gartens Martin MÖBIUS im Zusammenarbeit mit Obergärtener Rudolph GÜNTHER geleitet wurde.

Neben einer systematischen Abteilung besaß dieser Garten bereits einen Bereich, in dem die Pflanzen nach ökologischen Gesichtspunkten gruppiert waren. Er diente vor allem der Forschung am Senckenbergischen Institut und später auch der 1914 gegründeten Frankfurter Universität.

Unter Gartenbauoberinspektor KIEHNE erfolgte in den 30er Jahren vor allem aus praktischen Gründen eine Umgestaltung des Gartens, der sich ursprünglich an rein systematischen Vorstellungen orientierte. Die Holzgewächse wurden in Form eines Arboretums dargestellt. Noch immer aber beherrschte die Symmetrie die Ausgestaltung des Gartens (CAROLUS 1954). Es gab jedoch bereits erste pflanzengeographisch orientierte Parzellen (Sanddüne, Alpinum), für die durch die Umgestaltung des Gartens Platz geschaffen worden war.

Die Flächen des zweiten Botanischen Gartens wurden nach der Fertigstellung des dritten Gartens dem Palmengarten (Nordost-Ecke, Standort der “alten Eibe”) zugesprochen.

Dritter Garten Siesmayerstraße

seit 1931

1930 entwickelte man dann Pläne für die Errichtung des dritten, noch heute bestehenden Gartens, da der alte für die Bedürfnisse der Forschung zu klein geworden war. Das Gelände befand sich am nordwestlichen Rand des Grüneburgparks und war ursprünglich ein Teil von diesem. Mit einer Fläche von acht Hektar war erheblich mehr Platz vorhanden. So konnte Diplom-Gartenbauoberinspektor Kurt KIEHNE, der 1931 die Leitung übernommen hatte, sechs Jahre später mit der Anlage des Gartens beginnen und neue Aspekte in die Planung miteinbeziehen. Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und die darauffolgende Sperrung des Geländes durch die amerikanische Besatzungsmacht wurde der Ausbau des Gartens erheblich verzögert und konnte erst 1958 fertiggestellt werden.

KIEHNE, beeinflusst durch seine Ausbildung im Botanischen Garten in Berlin-Dahlem, plante dort die Errichtung einer großen pflanzengeographischen Abteilung, die sich vor allem von der bisher eingehaltenen Symmetrie lösen sollte, ein großzügig dimensioniertes System und eine Arzneipflanzenabteilung.

Die pflanzengeographische Abteilung, die bestimmte Gebiete des holarktischen Florenreiches repräsentiert, bildet den dominierenden Teil des Gartens. Dabei fand vor allem die Mitteleuropäische Vegetation besondere Berücksichtigung. Die Pflanzensoziologie spielte bei der Planung des Gartens nur eine Nebenrolle (CAROLUS 1954). Trotzdem zeigte sich nach einer vegetationskundlichen und floristischen Bestandsaufnahme (BUCHER 1994), dass viele der vorhandenen Pflanzengemeinschaften durchaus als Assoziationen im Sinne der Pflanzensoziologie (u. a.: Arrhenatherum elatioris, Hordelymo-Fagetum, Carici-Fagetum, Genisto-Callunetum, Phragmitetum communis) anzusehen sind.

2012 - Stadt Frankfurt übernimmt Trägerschaft

Bereits in den 1990er Jahren, mit der Planung des vollständigen Umzugs der Biologischen Institute auf den Riedberg, wurde über die Zukunft des Botanischen Gartens und die Möglichkeiten seiner Erhaltung diskutiert. Für die Lehre und Forschung der Universität konnte er durch die räumliche Distanz nur noch eingeschränkt dienen. Jedoch hatte sich der Garten an diesem Standort in der über 50-jährigen Entwicklung zu einem erhaltenswerten Kulturgut entwickelt – mit einem wertvollen Bestand an Baumarten und weiteren Pflanzen aus aller Welt (über 5.000 Spezies).

Mit Beginn des neuen Jahrtausends wurde deshalb intensiv nach einer Lösung für die Erhaltung des Gartens gesucht – und schließlich auch gefunden. Mit dem 1. Januar 2012 hat die Stadt Frankfurt die Trägerschaft für den Botanischen Garten vom Land Hessen übernommen und dem Palmengarten angegliedert.

So endet die fast 100 Jahre dauernde Verbindung zur Goethe-Universität, die den Botanischen Garten von der Senckenbergischen Stiftung 1914 überlassen bekommen hatte.

Auch wenn im Laufe der über 200-jährigen Geschichte die Entwicklung des Frankfurter Botanischen Gartens nie stehen geblieben ist, blieb man dem Willen des Stifters Johann Christian SENCKENBERG bis heute treu, der damals niederschrieb: “Dieser soll nicht aus vielen exoticis bestehen… Plantae Germaniae indigenae sind mein Hauptmerk, und solche, die eine gleiche Zonam, und Clima zur Geburths-Stätten haben und unsere aeram aquas und locos vertragen können.”